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Vom Wasser haben wir`s gelernt...., Frühlingswanderung entlang der Polenz

Dr. Volker Beer

 Die Frühlingswanderung führte uns die Polenz entlang, von Neustadt in Sachsen, Ortsteil Polenz bis hinunter nach Bad Schandau. Da die Sportabteilung „Wilde Pfade“ gar zu häufig die Karl-Stein Hütte nutzen würde, offerierte ich diese Gemeinschaftstour auf der Sektionshomepage als Tagesfahrt mit Bahnreise ab Leipzig. Uta bot den Wanderfreudigen an, auf der Privathütte der „climbing crocodiles“ in Leupoldishain zu übernachten. Gern nahmen wir das Angebot an und fuhren im Morgen des 18. April nach gemütlichem Frühstück auf der Hütte in PKW-Fahrgemeinschaften zum Parkplatz am Nationalparkbahnhof Bad Schandau. Mit dem Bus setzten wir die Anfahrt fort. In Bad Schandau stieg Ulrich, welchen ich seit meinem Studium an der Tharandter Fortfakultät der TU Dresden kenne, mit 5 Migranten zu. Ulrich engagiert sich ehrenamtlich im örtlichen Ausländerrat. Somit umfasste unsere Wandergruppe 19 Personen und war international bestens aufgestellt. Während der Busfahrt über Altendorf, Mittelndorf und Lichtenhain bot sich ein grandioses Panorama aus ungewöhnlicher Perspektive über die Sächsische Schweiz. Mit Umstieg in Sebnitz erreichten wir im Vormittag Polenz, einen Ortsteil von Neustadt in Sachsen. Nach kurzem Weg entlang der Dorfstraße bogen wir den Polenztalweg ein. Hier im sanfthügeligen Lausitzer Bergland plätschert die Polenz als kleiner, klarer Bach durch die rückwärtigen Gärten der die Dorfstraße säumenden Häuser. Hinter dem Dorf schlängelt sich die Polenz in gar wunderlichen, vielen, vielen Mäandern durch die weite, offene, leicht wellige Weide- und Wiesenlandschaft. Der Bachlauf ist von Weiden und Erlen gesäumt, auf einer der Weideflächen tummeln sich einige braune Ziegen. Wir folgen dem Bachlauf und erreichen den Wald. Einst trieb das Wasser des Polenzbaches gar etliche Wassermühlen, deren Gebäude noch erhalten sind. So erreichen wir die Waldmühle. Es folgt die spießig-kitschig restaurierte Knochenmühle, die mit protzigem Wirtshausschild um Gäste wirbt. Nachdem wir dem Bachlauf durch weitere Waldabschnitte und fette Auen folgten, erreichen wir die rustikale Bockmühle, wo wir im Freisitz eine Rast einlegen und den vorzüglichen Sanddornlikör probieren. Die Polenz ist nun ein breiter Bach, der sich tief in den Lausitzer Granodiorit grub, die nährstoffreichen Braunerden der Lausitz zu fetten Auen schwemmte. Eben diese Auen zwischen Bock- und Scheibenmühle beherbergen Sachsens größtes natürliches Vorkommen an Märzenbechern. Mancherorts treten die Hänge so nah an die Polenz, dass der Pfad über den anstehenden Granodioritfels aufwärts führt um in der nächsten Talweitung wieder über die üppigen Auen im Schatten der ufersäumenden Erlen und Weiden am klaren, nun schon kräftig rauschendem Wasser entlang zu führen. So erreichen wir die im Dornröschenschlaf liegende Scheibenmühle, die sich in bröckelnder realsozialistischer Betreibsferienheimarchitektur präsentiert. Nach weiteren Kurven und Windungen der Polenz schimmert die ockerfarbene, ökoreataurierte Heeselichtmühle durch das junge Grün der austreibenden Bäume. Ab dieser Mühle führt der Wanderweg entlang selten befahrender Landstraße zur Russigmühle, wo wir ebenfalls im Freisitz Platz nehmen. Unmittelbar hinter dem Freisitz rauscht das klare Wasser der Polenz. So kann ich die Pause für naturkundliche Erläuterungen zum regen Leben im klaren Bachwasser nutzen und käschere einige Larven von Steinfliegen, Köcherfliegen und Eintagsfliegen aus dem Wasser. Nach Bärlauchsuppe an naturkundlichen Erläuterungen setzen wir schon bald die Wanderung fort und queren die vielbefahrene Straße nach Hohnstein. Hier überschreiten wir auch die Lausitzer Überschiebung. Bisher begleiteten uns die sanften Hänge, die aus der Verwitterung des Lausitzer Granodiorits resultieren. Nahezu unvermittelt erfolgt der Übergang in den kreidezeitlichen Sandstein. Schroff und senkrecht stehen die Sandsteinfelsen an, drängen die Polenz in ein klammartiges, enges Tal. Abgesehen von den Einschwemmungen der Polenz bilden nun magere, nährstoffarme Podsole die Böden. Am Gasthaus „Polenztal“, ebenfalls einer vormaligen Mühle, stehen wir vor der Wahl, entweder im „Dauerlauf“ zum Bahnhaltepunkt zu eilen oder den Zug zwei Stunden später zu wählen. Wir entscheiden uns für letzteres und legen einen Abstecher hinauf zum Hockstein ein. Nach dem Rundblick auf die Stadt und Burg Hohnstein setzen wir unsre Wanderung entlang der nun kräftig tosenden und rauschenden Polenz fort. Unterhalb des Polenztalwächters legen wir eine weitere Fotopause mit naturkundlichen Ausführungen ein, wandern vorbei an der bewirtschafteten Waltersdorfer Mühle und erreichen nachdem wir die Industriebrache vormaliger Frinzthaler Mühle passiert haben den Bahnhaltepunkt Porschdorf am Zusammenfluß von Sebnitzbach und Polenz. Zur Lachsbach vereint durchfließt diese den Bad Schandauer Ortsteil Rathmannsdorf wo sie bei Prossen in die Elbe mündet. Insgesamt legten wir 21 km zurück.

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