Bergsport >> Berichte >> Wo Rübezahl das Zepter führt

Wo Rübezahl das Zepter führt

Dr. Volker Beer

Rübezahl war in rauher Vorzeit, als in Mitteleuropas undurchdringlichen, finsteren Urwäldern und irrlichternden Sümpfen allerlei germanische Stämme in Baum- und Felshöhlen hausten (letzteres wird heute boofen genannt) der mächtige germanische Gottkönig und Himmelsvater Wodan, der Wütende, der im Orkanwind, in Wolken und Nebel urgewaltig über die Gebirge, durch die in Sturme ächzenden und krachenden Wälder dahinbrauste. Er war der unheimliche, Angst einflößende Nachtjäger, der so manchen einsamen Wanderer in Sturm, Graufrost und jagendem Nebel nur wenige Meter vor der Schutzhütte jämmerlich erfrieren ließ. ... Der einäugige Wolkenwanderer mit Schlapphut! ... Das war in düsterer Heidenzeit, in längst vergangenen Zeiten. Wirklich nur damals?

Die letzte Februardekade zeigte sich wie der gesamte Winter 2014/15 mild und schneearm. In den Alpen drängten sich die Winterurlauber auf mit Kunstschnee präparierten Pisten und Loipen oder strebten den naturschneebedeckten Gipfelregionen zu, wo sie auch die letzte Lawine, das letzte Schneebrett lostraten. Die schneekanonenaufgerüsteten Liftbetreiber und anliegenden Zimmervermieter machten das Geschäft des Jahres. Wir, eine Gruppe von 15 Leuten der Leipziger Alpenvereinssektion, die sich innerhalb dieser in der Abteilung „Unterwegs auf wilden Pfaden“ organisiert hatten, planten eine Woche Natur pur erleben, auf Hinterwäldlerbretteln, die unter der Bezeichnung „back country“ tatsächlich im Handel erhältlich sind. Es sind eine Art abgespeckter Tourenski. Darüber hinaus nahmen wir auch unsere Schneeschuhe mit auf Tour. Die Alpen konnten uns ein solches Naturwinterwanderbrettelparadies nicht bieten. Dort hat es überbuchte und überteuerte Quartiere, überfüllte Gaststätten, übervolle Pisten und Loipen, Events, Großereignisse. Natur? Fehlanzeige! So fuhren wir gen Osten, dem großen russischen Hochdruckgebiet entgegen, ins Grenzgebiet zwischen Tschechien und Polen. Dort erhebt sich das Riesengebirge, wo noch immer Rübezahl das Zepter schwingt. In Pec pod Snezkou stellten wir die Autos ab. Touristengewimmel, nicht in den Farben der aktuellen Skisaison, der abgeblätterte Charme sozialistischer Ferienheime liegt über dem Ort. Umpacken, Geld wechseln am Automat. Schon ist es an der Zeit, unser doch recht umfangreiches Gepäck am vereinbarten Treffpunkt im Ort zu stapeln. Ein russisches Kettenfahrzeug mit offenbar einer Vergangenheit in der ruhmreichen Sowjetarmee wird uns samt Gepäck hinauf ins Gebirge bringen. Das Abenteuer kann beginnen! Wir falten uns in den stählernen Koloß, die Tür der Einstiegsluke wird geschlossen und schon dröhnen die gewaltigen Motoren. Es rasselt, rattert, klappert, dröhnt und brüllt, wir werden durchgeschüttelt! Die Raupe prescht durch tief verschneite Fichtenwälder, schrotet steile Hänge hinauf. Die Ketten schleudern Schnee, Eis, Holz und Steine himmelwärts. Der verschneite Bergfichtenwald weicht Legföhrengebüschen. Schließlich jagt das Monstergefährt über eine schier endlose, weiße leicht wellige Hochfläche über der sich ein dunkelblauer, weißfasriger Himmel aufspannt. Schließlich stoppt das Gefährt. Zerbeult und gut durchgeschüttelt klettern wir aus der Luke und springen in den Schnee. Vor uns erhebt sich ein riesiges, dunkles, vierstöckiges Gebäude, welches sich im Baustil einer Kaserne der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts präsentiert. Die Geschichte der Lucni Bouda (Wiesenbaude) reicht jedoch wesentlich weiter zurück. Schon 1623 stand an diesem Platz auf der Hochebene des Riesengebirges eine Hütte. Sie diente als Unterkunft und Almbauernhof am „Schlesischen Weg“ der die Bergbaugebiete beiderseits des Gebirges verband. Wiederholt brannte der Hof ab, wurde immer wieder neu errichtet. Heute ist die Wiesenbaude die höchstgelegene, älteste, größte Baude im Riesengebirge. Sie beherbergt die höchstgelegene Brauerei der Tschechischen Republik. Wir betreten das weitläufige Vestibül im Erdgeschoß, legen Skier und Schneeschuhe im dafür vorgesehenem Raum ab und steigen über breite Stufen hinauf zum ersten Stock wo sich eine weitere weitläufige Empfangshalle öffnet, die ihre sozialistische Vergangenheit eines Ferienheimes, Kinderferienlagers, sozialistischem Leistungssportzentrums nicht verbergen kann. Rasch eingebucht, die Zimmer bezogen und noch einmal hinaus das Umfeld erkunden. Weit, weit bis zum Horizont dehnt sich weiß-grau marmoriertes, leicht welliges, von Schneegangeln überzogenes Hochplateau. Der Föhnsturm orgelt und meißelt unablässig neue Muster und Formen ins endlose weite Schneemeer. Dunkel und schwer hängen Föhnwolken am Himmel, verschmelzen am Horizont mit dem Schnee. Bin ich auf Grönlands Gletscherrücken? Nein, die sinkende Sonne taucht die Snezka (Schneekoppe) in gelbes, gelboranges, später in rotes und violettes Licht. Im gleichen Farbenspiel entflammen die Föhnwolken am Himmel, ein schier endloses Panorama voller Farben, Licht und flirrendem, funkelndem Schnee. Ich fühle mich in ferne Welten versetzt. Nur das Orgeln und Brausen des Sturmes ist zu hören, Schneekristalle pieksen ins Gesicht. Als sich die Nacht in blauviolettem Gewand herab senkt gehe ich zurück zur Baude, aus deren Fenstern sich oranges Licht über dunkelblauvioletten Schnee ergießt.

Grau und trübe sickert das Licht durch das Fenster ins Zimmer. Dichter Nebel verhüllt das Land. Am Frühstücksbuffet im riesigen Speisesaal liegen die ortsüblichen, charakteristischen Hörnchen, daneben Wurstaufschnitt, Schnittkäse, Marmelade, Quarkspeise und Cerealien, etwas geschnittenes Gemüse. Kaffee, Tee und Trinkschokolade kann man dem Getränkeautomat entnehmen. An langer Tafel sitzt unsere Gruppe und knuspert, krümelt und mümmelt die Hörnchen. Schon über eine Stunde krümeln wir so vor uns hin doch der Nebel vor den Fenstern will und will nicht weichen. Wir gehen trotzdem auf Tour, heute mit Schneeschuhen. Vor der Baude legen wir unsere Riesentreter an und tappen ins weißgraue Nichts. Glücklicherweise stehen entlang der Skitourenwege Nebelstangen. In einem Abstand von 10 Metern sind diese entlang der Wege aufgestellt. Immerhin sehen wir heute stets drei der Nebelstangen. So laufen wir Stunde um Stunde durch grauweißes Nichts. Verharschter Schnee und Graufrost krachen unter unseren Riesentretern bis wir förmlich gegen diese völlig vom Reif überzogenen Granitklippen stoßen. GPS-Gerät und ein vom Graufrost befreiter Wegweiser verraten uns, das wir uns an den „Maly Szyszak“ genannten Felsklippen am Steilabbruch der Hochfläche, hoch über dem See „Maly Staw“ befinden. Vom beeindruckenden Panorama, den mächtigen Wächten, die es hier geben soll, ist nicht das Geringste zu erahnen. Wir stapfen zur Wiesenbaude zurück. Dank der Nebelstangen läßt es sich tatsächlich auch im dichtesten Nebel, dem „white out“ ganz vortrefflich wandern. Schon bald sitzen wir im großen Klubraum beisammen, fläzen in den großen, schweren, dunkelbraunledernen „Diplomatensesseln“ mit unverkennbar sozialistischer Vergangenheit. Das Wetter kann nur besser werden, am kommenden Tag, ist unsere einhellige Meinung.

Doch man kann sich auch im Kollektiv irren! Am Morgen sickert wieder nur matt und trübe das graue Licht durch die Fenster. Heute jagt dichteste Nebelsuppe über das Land. Die Baude ächzt unter dem Sturm! Nach morgendlichem Hörnchenknuspern holen wir unsere Skier. Von einer Tour kann uns auch dieses Wetter nicht abhalten. Mühsam kämpfen wir uns gegen den schweren Sturm sanft steigende Skipiste aufwärts. Immerhin 2 Stangen sind sichtbar, als wir nach schwerem Kampf mit den Elementen die vollkommen von dickem Graufrost überzogene Kapelle an der kleinen Einsattelung zwischen den beiden Höhenzügen Lucni hora (Wiesenberg) und Studnicni hora (Brunnenberg), gut 100 Höhenmeter über der Wiesenbaude gelegen, erreichen. Im Orkan können wir uns kaum auf den Brettern halten. Wir selbst, wie auch unsre Ausrüstung, ja sogar unter Kapuze oder Mütze hervorlugende Haare sind von einer Graufrostschicht überzogen und gefroren, selbst die Brille hat Eisglasur. Ob nun mit oder ohne Brille auf der Nase, weiter als 10 bis 15 Meter reicht hier am Sattel nicht die Sicht! Ja, hier schwingt Rübezahl das Zepter, zischt, faucht und orgelt der Orkan, sticht der feine Schnee wie tausend Nadeln, jagen die alles verbergenden Nebel. Es folgt eine lange, aber seichte Abfahrt. Der Sturm ist so stark, dass wir uns selbst bei der Abfahrt kräftig mit unsren Stöcken schieben müssen. Irgendwann tauchen wir ein, in den Wald. Die Bäume ächzen und knarren unter der Graufrostlast und dem fauchendem Sturm. So manche Fichte ist unter der Last des Eisanhanges und dem Sturm zusammen gebrochen. Mittlerweile fahren wir im Windschatten, doch der Nebel bleibt unvermindert dicht. Vor uns erhebt sich im dichten Wald ein grauer Koloß. Eine Granitklippe? Doch die Klippe hat eine Tür. Es ist die Vyrovka (Geiergucke). Nach ausgiebigem Einkehrschwenk bei Grog und heißer Knoblauchsuppe ziehen wir einen weiten Bogen durch die Wälder bevor wir zurück auf die sturmumtoste, in den dichten Schichtwolken liegende Hochebene zur Wiesenbaude aufsteigen.

Am Morgen wabert, wie schon die vergangenen Tage dichte Nebelsuppe um das Haus. Jedoch ist es fast windstill und während wir im Speisesaal unsere Hörnchen knuspern gerät der Nebel solcherart in Wallung, dass sich am Horizont die Schneekoppe und zwischen den Nebelballen gar die Sonne zeigt, wenn auch nur für wenige Minuten. Nichts hält uns in der Baude, die Skier angelegt und auf geht es, zu einer großen Skiwanderung. Gen Osten brettern wir über die weite Hochfläche, auf der immer wieder dichte Nebelballen wabern. Am Slasky Dom (Schlesierbaude) lichtet sich der Nebel, die Schneekoppe erhebt sich unmittelbar vor uns und die Sonne spitzt zaghaft durch die Wolken. Wir steigen zur Schneekoppe auf. Der Schnee ist verblasen und vereist. Immer wieder kratzen die Skier über das Steinpflaster des Sommerweges. Wir schnallen ab und tragen die Bretter gipfelwärts. Es liegt ungewöhnlich wenig Schnee. Der Bergweg steigt, gesäumt von massiven Metallgeländern und Ketten steil aufwärts. Fels und Geländer tragen mächtige, graue Eisbärte. Wir erreichen den Gipfel. Vorbei an der polnischen Restauration in Gestalt einer „Fliegenden Untertasse“ streben wir der leider verschlossenen Gipfelkapelle zu. In der höchstgelegenen tschechischen Poststation trinken wir einen Tee. Dann steigen wir über Blockhalden zum Obri hreben ab und folgen breiten Höhenzügen in östlicher Richtung. Bald schlängelt sich schmaler Pfad durch dichte Legföhrenbestände. Am Skifahren ist bei dieser mickrigen Schneeauflage nicht zu denken. Die Bretter über der Schulter balancieren wir uns auf vereistem Pfad durch die reifüberzogenen Latschenkiefern. In vergangenen Jahren lagen diese Latschen komplett unter Schnee, waren die weiten Hänge und Höhenzüge ein weitgeschwungenes Skitourengelände. Wir erreichen Fichtenwälder und breiter Forstweg gestattet wieder die Ski anzulegen. Vorbei an der Jelenka (Hirschbaude) fahren wir nach Mala Upa ab. Im Ort laben wir uns in gepflegter Schankwirtschaft an böhmischen Gulasch mit böhmischen Knödel und böhmischen Bier. Währenddessen hat die Sonne auch die letzten Nebelfetzchen vertrieben. Unter den wärmenden Sonnenstrahlen sinkt der Schnee mit leisem Schmatzen in sich zusammen. Für den Rückweg wählen wir Forstwege, so daß wir die Skier nun nutzen können. Im späten Nachmittag stehen wir heute zum zweiten mal auf dem Gipfel der Schneekoppe. Wolkenfelder ziehen, Nebelballen füllen die Täler, ein grandioser Rundblick entschädigt uns für dichten Nebel, der uns am Vormittag jeden Gipfelrundblick verwehrte. Hinter Wolkenfeldern versinkt die Sonne, Dämmerung senkt sich herab. Müde, aber glücklich erreichen wir in völliger Dunkelheit die Wiesenbaude. 23 Kilometer legten wir mit 1060 steigenden und fallenden Höhenmetern zurück. Da lassen wir das abendliche Bier aus der baudeneigenen Brauerei so richtig zischen.

Klar dämmert der neue Morgen, nur wenige hohe Schleierwolken durchziehen das dunkle Himmelsblau. Raus aus den Federn, rein in die Sachen, beide Fotoapparate gegriffen und hinaus in den klaren Morgen! Es ist bitterkalt. Ich laufe, eile, renne die hartgefrorene Piste zur Kapelle hinauf. Was uns im dichten Nebel und schwerem Sturm wie eine weite Tour erschien, ist in nur 15 Minuten geschafft. Schon nehme ich ein Panorama auf, arbeite mit beiden Apparaten. Ein klarer Sonnenaufgang entlohnt den überstürzten Aufbruch. Nun eile ich zurück zur Baude und nehme pünktlich, ja überpünktlich an der Frühstückstafel platz. Nach gestriger Mammuttour stehen heute die Zeichen auf Schneeschuhwanderung. Wir stapfen gen Norden in Richtung Steilabbrüche und der beiden Seen auf polnischer Seite. Grell funkelt die Sonne im Schnee. Der Sturm meißelte bizarre Formen in den Schnee. Weit ragen die Wächten über die Abbrüche. Wir steigen ab, vorbei an den Granitklippen, hinunter zum zugefrorenen See Maly Staw. An seinem Ufer erhebt sich ein mit schönen Schnitzereien ausgestaltetes Holzhaus. Türmchen zieren die Giebel. Es ist die Samotnia, eine Bergbaude. Auch innen ist die Baude urig, gemütlich und rustikal. So der erste Eindruck. Wir wollen am Tresen der Selbstbedienung ein Mittagsmahl bestellen. Doch Fehlanzeige. Tschechisch, russisch und deutsch werden nicht verstanden, tschechische Kronen als auch der Euro werden nicht akzeptiert. Mit versteinerter Miene werden wir auf eine Tür verwiesen, hinter welcher sich ein winziger Kabuff verbirgt, der als Wechselstube fungiert. Eine wohlbeleibte Frau tauscht uns wortlos den Euroschein in eine handvoll Slotymünzen und zwei Slotyscheine. Ausgestattet mit der polnischen Landeswährung stellen wir uns erneut am Selbstbedienungstresen an. Im Gastraum sitzen kaum ein paar Menschen, denn diese stehen nahezu alle am Tresen. Schon eine knappe Stunde später können wir unsere Bestellung aufgeben, in englischer Sprache. Der einzigen Sprache die hier neben dem Polnischen akzeptiert wird. Wir verzehren unser Süppchen und verlassen diesen ungastlichen Ort. Steigen nun steilen Pfad hinauf, eilen vorbei an der großen und massigen Baude „Akademicka“ und tauchen schon bald ein, in die dichten Nebel, die mittlerweile wieder auf der Hochfläche lagern. Vorbei an der Schlesierbaude streben wir dem tschechischen Gebiet entgegen, wo wir im Klubraum der Wiesenbaude den Tag ausklingen lassen.

Am Folgetag treibt wieder der Nebel über das Land, immerhin sind 5 Nebelstangen sichtbar. Dazu bläst kalt der Wind. Wir wandern mit unseren Schneeschuhen zur Hirschbaude. Vorbei an Schlesierbaude und Schneekoppengipfel folgen wir einem Fahrweg, dann kämpfen wir uns am Obri hreben durch vereiste und bereifte Latschenbüsche. Das Licht ist heller, der Nebel lichter als an den anderen Tagen. Immer wieder spitzt die Sonne durch den Nebel. Bald erreichen wir die Hirschbaude. In der gemütlichen Baude lassen wir uns das essen schmecken. Der Rückweg schlängelt sich zwischen Bäumen und Latschen bergwärts. Als wir östlich der Schneekoppe den Höhenrücken erreichen, reißt es auf. Unwirklich dunkelblauer Himmel zwischen Nebel rings am Horizont. Gleißend weiß und grell stahlt die Sonne. Unablässig fließen die Nebel über die Schneekoppe, stürzen in die Tiefe und lösen sich unmittelbar vor uns auf, geben im Windschatten der Schneekoppe der Sonne Raum. Kleine Föhnlücke im Lee des Schneekoppengipfels. Rings um uns ziehen die Nebel, wir gönnen uns in gleißendem Sonnenschein eine schöne Rast. Ja, wenn nur nicht der Wind so kräftig wäre. Roland und ich steigen die verbliebenen 200 Höhenmeter zum Scheekoppengipfel auf und tauchen in die den Berg herabwallenden Nebel ein. Es ist die dritte Schneekoppenbesteigung innerhalb unserer Wanderwoche. Die Gruppe wählt den verwehten Fahrweg an der Gipfelkuppe vorbei, taucht aber ebenso wie wir in den Nebel ein. Nur schemenhaft durchdringt die Sonne den dichten Nebel, als wir am Gipfel stehen. In der Vertikalen ist der Nebel geringmächtig, blau schimmert der Himmel durch, doch horizontal ist der Nebel so dicht, das die Kapelle, die Poststation als auch der Obelisk auf tschechischer Seite nur erahnt werden können wie auch die Gaststätte in Ufoform auf der polnischen Seite. Wir gehen in das Ufo um unsere verbliebenen Sloty in heißen Tee umzusetzen. Nahezu menschenleer präsentiert sich der weitläufige, große Gastraum, an der Selbstbedienungstheke eine kurze Menschenschlange. Wieder dauert es fast eine geschlagene Stunde, bis wir den Tee ausfassen können. Nach dem Gaststättenbesuch schindern wir den völlig vereisten Weg hinab zur Hochfläche und streben der Wiesenbaude zu.

Der folgende Tag sieht uns per Ski in westlicher Richtung fahren. An der Wiesenbaude dichter Nebel, der uns noch bis zur Kapelle begleitet. Die lange, sanfte Abfahrt läßt uns aus dem Nebel gleiten, hinein in strahlendes, gleißendes weißes Licht. Die Schneekristalle funkeln, weit schweift der Blick hinüber zur Labska Bouda (Elbbaude) und den dortigen Skigebieten. Die beiden Höhenzüge des Wiesen- und Brunnenberges und die weite Hochfläche verbergen sich im Nebel. Wir gleiten hinüber zum Lisci hrben. Lassen den Skiern freien Lauf, die lange, lange Abfahrt hinab über die weite, offene Lisci Louka bis zur Lesni Bouda, an der wir mit leisem Rauschen einschwenken, der wohlbekannte Einkehrschwenk. Böhmisches Bier schäumt im Glase und schon dampfen die Knödel und der Gulasch auf den Tellern. Über die Skimagistrale treten wie den Rückweg an. Es wird eifrig fotografiert. So mancher Videoclip mittels Schlauphon oder Fotoapparat gedreht und am Abend im Klubraum der Wiesenbaude von den Anwesenden fachmännisch begutachtet. Nun heißt es zusammenpacken, eine erlebnisreiche Ski- und Schneeschutourenwoche geht zu Ende und schon Morgen wird uns die gar wunderliche Kettenraupe wieder zurück ins Tal bringen.

Bilder